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Wilhelm Meisters Lehrjahre 4

Wilhelm Meisters Lehrjahre 4
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Drittes Kapitel
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Zwanzigstes Kapitel
 
 

Drittes Kapitel 

Wilhelm hoffte nunmehr, da er die Gesellschaft in so guter Disposition sah, sich auch mit ihr über das dichterische Verdienst der Stücke unterhalten zu können.
 
"Es ist nicht genug", sagte er zu ihnen, als sie des andern Tages wieder zusammenkamen, "daß der Schauspieler ein Stück nur so obenhin ansehe, dasselbe nach dem ersten Eindruck beurteile und ohne Prüfung sein Gefallen oder Mißfallen daran zu erkennen gebe. Dies ist dem Zuschauer wohl erlaubt, der gerührt und unterhalten sein, aber eigentlich nicht urteilen will.
 
Der Schauspieler dagegen soll von dem Stücke und von den Ursachen seines Lobes und Tadels Rechenschaft geben können: und wie will er das, wenn er nicht in den Sinn seines Autors, wenn er nicht in die Absichten desselben einzudringen versteht? Ich habe den Fehler, ein Stück aus einer Rolle zu beurteilen, eine Rolle nur an sich und nicht im Zusammenhange mit dem Stück zu betrachten, an mir selbst in diesen Tagen so lebhaft bemerkt, daß ich euch das Beispiel erzählen will, wenn ihr mir ein geneigtes Gehör gönnen wollt. Ihr kennt Shakespeares unvergleichlichen "Hamlet" aus einer Vorlesung, die euch schon auf dem Schlosse das größte Vergnügen machte.
 
 
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