|
| Wilhelm Meisters Lehrjahre 4 |
|
|
|
|
|
| |
Erstes Kapitel
Indem man aufpackte und alles zubereitete, sagte Melina: "Es ist mir verdrießlich, daß wir wie Seiltänzer und Marktschreier reisen; ich wünschte, daß Mignon Weiberkleider anzöge und daß der Harfenspieler sich noch geschwinde den Bart scheren ließe." Mignon hielt sich fest an Wilhelm und sagte mit großer Lebhaftigkeit: "Ich bin ein Knabe: ich will kein Mädchen sein!"
Der Alte schwieg, und Philine machte bei dieser Gelegenheit über die Eigenheit des Grafen, ihres Beschützers, einige lustige Anmerkungen. "Wenn der Harfner seinen Bart abschneidet", sagte sie, "so mag er ihn nur sorgfältig auf Band nähen und bewahren, daß er ihn gleich wieder vornehmen kann, sobald er dem Herrn Grafen irgendwo in der Welt begegnet: denn dieser Bart allein hat ihm die Gnade dieses Herrn verschafft."
Als man in sie drang und eine Erklärung dieser sonderbaren äußerung verlangte, ließ sie sich folgendergestalt vernehmen: "Der Graf glaubt, daß es zur Illusion sehr viel beitrage, wenn der Schauspieler auch im gemeinen Leben seine Rolle fortspielt und seinen Charakter souteniert; deswegen war er dem Pedanten so günstig, und er fand, es sei recht gescheit, daß der Harfner seinen falschen Bart nicht allein abends auf dem Theater, sondern auch beständig bei Tage trage, und freute sich sehr über das natürliche Aussehen der Maskerade."
|
|
|
| |
|